Kischker  1786 - 1944                                                ein donauschwäbischer Ort in der Batschka 
heute:  
Bačko Dobro Polje - Vrbas  in der Vojvodina gelegen.
 

Unsere Untertitel

       Verschiedenes

  • 6.1  Aus einem Kriegshilfsheft
  • 6.2  Lustige Geschichten

 6.1  Zeilen aus dem Kriegshilfsheft von Haberschuß Rosina

 


Brief von Schiffmann Kilian


 


 



Batschka Lied





Lied:  Niemals,  Lili Marleen




Lied: Vater vor dir steh...







Heilpflanzen - Erntezeit





























 



Das Märchen vom Storch







 

Liegt dir Gestern klar und offen, wirkst du heute kräftig frei,
kannst auch auf ein Morgen hoffen,
das nicht minder glücklich sei.


Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

 

"Wenn der Mensch die Herkunft seiner Vorväter nicht kennt,   gleicht er einem Affen, der sich im Walde verlaufen hat."


Spruch aus der Mongolei

Jede Generation lächelt über die Väter,
lacht über die Großväter und bewundert die Urgroßväter.

William Somerset Maugham (1874-1965) 

 

  • 6.2  Lustige Geschichten


Lustige Geschichten und Begebenheiten, die sich irgendwo in der Batschka zugetragen haben!

Es darf auch gelacht werden – soll gesund sein!

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Als ein Lehrer 1913 zu unterrichten begann, hatte er die kleinen Schüler (1. und 2. Klasse) und erlebte lustige Begebenheiten.

Während er sich mit der 2. Klasse direkt beschäftigte, sollten die Kinder der 1. Klasse eine stille Arbeit erledigen. Alle waren in ihrem Tun vertieft, nur einer saß untätig da und schaute Löcher in die Luft.

„Je, uf was waartscht denn du, Kleener?“

„Ich waart, bis die Schul ausgeht.“

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Eine Kuh sollte zum Thema Viehhaltung gezeichnet werden. Beim Besichtigen der Produzierungen, hielt ihm ein Erstklassschüler die Tafel hin – er war mit seiner Kuh fertig.

„Je, saa mol, warum streckt dei Kuh d`Schwanz in die Heeh?“

„Die will halt graad sch…“.

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Der Lehrer sprach mal in der 4 Klasse von den Monaten des Jahres,
und zwar, daß manche Monate einen Beinamen hätten, 2. B. der nasse März, der launige April, der liebliche Mai.

Dann stellte er die Frage, ob jemand noch ein Beispiel wüsste? Da meldete sich einer und rief:

„Der dumme August.“

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Ein Pfarrer rief in der Kirche während seiner Predigt mahnende Worte von der Kanzel herunter:

„Ja, folget stets meinen Worten, aber niemals meinen Taten!“

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Bei einer Beerdigung stand der Pfarrer am Grab, der Sarg war schon unten im offenen Grab. In der Hand hielt er einen Zettel, auf dem in Stichworten seine Grabrede notiert war. Während er nun sprach, riß ihm ein Windstoß den Zettel aus der Hand und dieser flatterte ins Grab hinunter auf den Sarg.

Er schaute diesem Missgeschick zu, besann sich aber dann sogleich und sagt:

„So, mein Lieber in Christo, da hast es gleich schriftlich.“

Betete, sprach den Segen und ging.

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Wir standen mal mit dem Friedrich beim Kaufmann an der Ecke und sprachen von den Birnen. Vor uns spielten einige kleine Buben. Friedrich rief einem zu:

„Kumm mol her, Kleen”r. Geeh mol zu mein'r Fraa un hol zwee Beere.

Weescht aa wu ich wohn?“

„Na, Tate, ich wer doch wisse, wu m'r wohne.“

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Ein andermal fragte ich ihn:

„Wie heeßt'n ei'r Kleenes do?“ „]e, do muß ich im Notizbichlche noschaue.“

Nahm sein Notizbuch raus, blätterte darin und sprach: „Ich han's. Des Kleen do heeßt Krischtin.“

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Philipp war mit dem Fahrrad unterwegs und wollte sich ein Bier gönnen. Beim betrachten des Gasthausschildes kamen ihm aber Zweifel, stand da zu lesen:

 - Fleisch und Gasthauerei -

„Nein“ sagte er zu sich, „dahinein gehst du nicht, Philipp, da könnte es Prügel absetzen“, und fuhr weiter.

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Der Herr Pfarrer an die Opferstockspender von Knöpfen:

„Da die Engel im Himmel nur Umwürfe mit Gürtel tragen, d. h. keine Knöpfe benötigen, wird gebeten, in Zukunft von Knopfspenden abzusehen.“

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Der Ludwich kam e`mal vom Wochenmarkt heim, ging hinunter in den Keller und schleppte das Krautfaß mit dem eingeschnittenen Kraut herauf. Seine Frau schaute ihn an und fragte, was das bedeuten soll?

Er darauf:

„Des Kraut werd weg g'schmiß, un vun dem billiche Kraut, das ich heit uf'm Markt g'sien han, werd ing'schnitt.“

„Aw'r Ludwich. Warum willscht jetzt so was mache?“

„Ich wer mich doch net jedesmol, wann ich Kraut eß, iw'r des tei'r Kraut ärjere.“

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Der alte Bauer ging öfter auf den Sallasch und dort führte sein erster Gang in den Keller hinunter zum Weinfaß. So geschah es auch eines Tags. Er hielt ein Weinglas unter, aber es kam nichts heraus. Oben fragte er dann seinen Jakob:

„Je, Jakob, saa mol, es kummt jo unne kee Wein mee raus.“

„Tate, unne denne han ich schun all raus g'loß, awr v'such's mol mit'm Schlauch owe, vielleicht is owe noch was drinn?“

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Der lebendige Nachttopf.

Ein Jäger vergaß mal seinen Hund einzusperren. In einer mondhellen Nacht bellte er ununterbrochen im Hof draußen. Die Frau weckte ihren Mann:

„Je, saa mol, heerscht du denn net d'Hund belle?“

„Loßne doch belle.“

„Nee, steeh uf un schau mol no, was do loos ist?“

Der Jäger stand auf und sah, wie im Hof ein Igel umherkroch und der Jagdhund ihm bellend nachging. Er schaute sich um, wie er da eine Abhilfe schaffen könnte. Da sah er auf dem Zaun einen Nachttopf. Den stülpte er über den Igel. Dieser zog sich darunter zusammen, den Hund aber sperrte er in den Stall. Nun war wieder Ruhe im Haus. Es blieb aber nicht dabei, denn nach einer Weile fing der Igel wieder seinen Rundgang an und schleppte dabei den Nachttopf mit sich herum. Dieser streifte immer wieder die Pflastersteine und gab einen besonderen Ton von sich. Zur selben Zeit aber ging ein ziemlich angeheiterter Gemeindebürger aus dem Wirtshaus heimwärts.

An dem besprochenen Jägerhaus angelangt, sah er vom Mondschein hell beleuchtet, einen Nachttopf herumkriechen und Scheppertöne von sich geben. Vor Angst, daß hier ein Nachtgeist sein Unwesen treibt, rannte er ins Gemeindehaus und alarmierte die stramme und mutige Ortspolizei. Diese kam vollzählig und schwer bewaffnet zu dem Tatort und stellte den Tatbestand fest. Der Polizeichef, der Tapferste unter ihnen, brachte sein Gewehr in Anschlag, zielte, der Schuß hallte durch die Nacht, der Nachttopf flog, von einem gut gezielten Volltreffer durchlöchert, in der Luft herum. Der Igel aber blickte diesen Heldentrupp lächelnd an, tippte sich an die Stirn und verkroch sich in einen sicheren Schlupfwinkel.

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1882 begann der Bau der Eisenbahnlinie Budapest-Neusatz. Er wurde im Frühjahr 1883 fertiggestellt und dem Verkehr übergeben. Das war ein Ereignis sondergleichen und zur Eröffnungsfahrt waren alle Bahnhöfe der Strecke entlang geschmückt. Viele Mensdıen wollten dies Ereignis miterleben und strömten am Tage der ersten Fahrt einer Eisenbahn zur Bahnlinie. Auch Schulklassen aus Altker, Alt- und Neuschowe und Kulpin waren unter Führung ihrer Lehrkräfte aufmarschiert. Alle waren gespannt, nun muß sie bald da sein, denn man hörte schon von Kleinker her den Pfiff der Lokomitive. Der Strecke entlang hatten sich die Streckenbauarbeiter zur Verrichtung dringender Bedürfnisse sogenannte Latrinen ausgehoben und diese waren bis zu diesem Tag der Feierlichkeit fast bis an den oberen Rand gefüllt. Alle Zuschauer blickten schon gespannt gegen Norden, denn die Eisenbahn mußte jeden Moment da sein. In dieser letzten Minute kam noch ein Serbe in seiner schneeweißen Leinentracht dahergerannt. Ein anderer sah ihn rennen und rief:

„Kuda zsurisch, ]oco?“ - Wohin eilst du, Joco? -

„Da widim Eislibahn.“ - Daß ich die Eisenbahn schaue -.

In seiner Aufregung übersah er aber die sich knapp vor ihm befindliche Latrine und fiel da hinein und stand fast bis zum Hals in dieser steifen Brühe. Mit großem Bemühen gelang es ihm endlich, sich da herauszuarbeiten, rannte dann heimwärts, denn von der Eislibahn hatte er, sowohl in seinem weißen Linnekleid, wie auch in der Nase, genug. In seinem Zorn aber schrie er immer wieder:

„Bogati Eislibahn. Sad imam Scheißlibahn.“

So kam er daheim an, befreite sich von seinen verdreckten und stinkenden Kleidern, wusch sich, doch noch Tage hindurch war der „feine Duft vom Scheißlibahnparfüm“ zu riechen.

Seit jenem denkwürdigen Eisenbahneinweihungstag aber nannten die Altkerer Serben die Eisenbahn nur noch „Scheißlibahn.“

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Wie die Hannegod hochdeutsch sprach.

Die Hannegod diente in einem vornehmen Haus und wollte auch hochdeutsch sprechen:

„Ich muß die Scheiben putzen, denn die Schnocken haben sie zu stark verstuhlgangert.“

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Gehn se nin odr gehn se net nin?

Wie die Barkeßlr Gmeen im Johr 1936 ehre 150 jährichi Onsiedlungsfeier abghall hot, ware aa Landsleit aus de Palz in die Batschka kumm.

Die ware in viel Derfer uf Besuch gewenn un han nadierlich bei de Barkeßlr Onsiedlungsfeier aa net fehle derfe. De Pälzer Gäscht hot in Barkeßl alles gar arich gut gfall, was se narre gsiehn han:

s' Darf, die Gasse, die Heisr, die Stuwwe, die Leit, die Feldr, die Salläsch- mit eem Wart: alles. Aa die Kerch. Narre eener vun de Pälzer hot gemeent, es tät'm vorkumme, als wie wann die Kerch far des groß Darf e bißje kleen wär.

Un drum Hot'r gfroot, ob dann die Leit aa all Platz han in de Kerch.

Uf des hot'r e Antwart kriet, die far uns ganz leicht zu vestehn ist, aw'r far annere Leit fascht ball e Rätsl is. Nodenke misse se dedriwer sich'r. E Barkeßl'r hot nämlich uf die Froo gsaat:

Wißn'r, ich saas's Eich wie's is: .Wann se all ningehn, no gehn se net all nin. Gehn se aw'r net all nin, no gehn se all nin!"

Entnommen aus: Summerreen, Besinnliches und Heiteres in donaupfälzischer Mundart.
(Verlag des Südostdeutschen Kulturwerks, München 1953).

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Alte Bäume versetzt man nicht

Als Oma mit nach Deutschland kam, war sie nicht allzu glücklich.
Als sie dann Einkauf übernahm, ward sie sogar verdrießlich:
"Drei Kilo Krumbere mecht ich hann," sprach sie zu dem Verkäufer.
Der sah sie unverständig an. "Ham wir nicht", sagte er in seinem Eifer.
"No mecht ich noch e Pund Parteis - "Liebe Frau, soviel ich weiß, führen wir auch dieses nicht."
"Do gebt mr hal e Pack Ziwebe", versuchte Oma zu verlangen.
"Gerne würd' ich's ihnen geben, doch ... "Er wußt' halt nix damit anzufangen.
"Na, gebt m'r halt  zwa Stange Krien, die han ich doch im Korb drauß gsiehn."
"Sie haben sicher falsch gesehn", warf er ihr oberflächlich hin.
"Ich breicht ach Knofl un e Zeller, Grienzeich un Lemoni noch drzu."
"Liebe Frau", sprach der schon schneller, "bittschön, lassen's mich in Ruh,
Sie sehen ja, ich hab zu tun. Schauen Sie sich im Geschäft erst um, dann werde ich gerne Sie bedienen.
Finden Sie nichts, dann rat ich Ihnen: Versuchen Sie's mal um die Ecke, dort finden Sie die Apotheke.
Oder gehn's zum Türken nebenan, vielleicht, dass der Ihnen helfen kann."

Damit war die Geschicht nicht aus. Den Rest erzählte Oma dann zu Haus:
"Ei, hat mr sowas schon mol gsiehn, dass mr im G'schäft gar nix kann krie'n?
Ich han doch gsiehn, dass se es han, doch de hintrlischtich Mann,
sagt emmer nor: "Das hab'n wir nicht!" oder aach: "Das führ'n wir nicht!"
De wollt mr eenfach nix vrkaafe.
Umsunsch tät ich em Gschäft romlaafe, hann deutlich gsiehn newr'm Spinat
war im Korb ach de Zalat.
Ich vrlang drvun, doch der wichtich  Mann saat, dass se des aach net han,
mt sei'm ewich "Hab'n wir nicht!"
Do schau ich zornich ehm ins Gsicht un saag ganz schtaat un drucke:
"Ei do bleibt doch uf eir'm Zeich hucke!"
.
Quelle: Georg Weiner, Heitere Geschichten aus der Heimat der Donauschwaben, (Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung - Stiftung des privaten Rechts -, München), München 1997.

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